Lauda    
Buchen    
Mosbach    
Tauberbischofsheim    
Osterburken    
Walldürn    

Neu    
Presseberichte    

Links    
Gästebuch    




initiiert und begleitet von den Kath. Dekanatsjugendreferenten, der KAB im Bezirk und der Kath. Regionalkonferenz
| impressum | feedback | home |  

Dem Tag mit Aktivitäten Struktur geben

Meet & Eat in Tauberbischofsheim


Bereits zum siebten Mal fand "Meet & Eat", ein Miteinander für jugendliche und junge erwachsene Flüchtlinge statt. Ein Treffpunkt im Zeichen der Integration, den sie nicht missen möchten.

Schnippeln, Braten, Teig kneten. In der Küche des Winfriedheims herrscht reges Treiben. Rund ein Dutzend Jugendliche tummeln sich zwischen Herd, Arbeitsplatte und Spüle. Fladen für Wraps werden ausgerollt und in der Pfanne hellbraun gebraten. Geschick ist gefragt, damit sie nicht verbrennen. Auf einem Transportwagen schneiden andere Tomaten, Zwiebeln und Paprika. Zwei junge Frauen waschen sorgsam das Geflügelgeschnetzelte, bevor es in die Pfanne wandert.

Eine fröhliche Stimmung herrscht unter den Jugendlichen. Gibt es Fragen, wird nach "Frau Huneke" oder "Frau Podlech" gerufen, die dann zum Beispiel die Funktion des Eierkochers erklären. Die beiden haben "Meet & Eat" aus der Taufe gehoben. Und das hatte seinen Grund.

Karolina Podlech, die zwei Jahre in einer sogenannten Vabo-Klasse (Vorqualifizierung Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt des Erwerbs von Deutschkenntnissen) an der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim unterrichtete, wurde kurz vor den Ferien von einem Jugendlichen mit traurigem Blick gefragt, was er denn mit Ferien anfangen solle. Für Karolina Podlech war das ein Schlüsselerlebnis. Die Aussicht auf Ferien, die Schüler normalerweise kaum erwarten können, war alles andere als von Vorfreude besetzt. "Wie soll Schule für diese Jugendlichen funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen nicht entsprechend vorhanden sind?", fragte sie sich. Andere fahren in den Urlaub, fiebern Freizeitaktivitäten entgegen oder genießen die Zeit mit der Familie.

Feste Strukturen geben Halt. Genau den haben junge Flüchtlinge, zumal wenn sie allein gekommen sind, oft nicht. In den Gemeinschaftsunterkünften sei es oft bis in die Nacht laut, am Tag werde von vielen bis in die Puppen geschlafen. Abhängen sei oft die einzige Beschäftigung.

Dass dies gerade jungen Erwachsenen, die lernbereit sind, nicht gut tut, weiß Podlech. Deshalb entwickelte sie gemeinsam mit Elke Huneke, Beauftragte für Schulpastoral im katholischen Dekanat Tauberbischofsheim, die Idee zu "Meet & Eat". Seit Ende 2014 finden diese Treffen jeweils samstags in unregelmäßigen Abständen statt. Mal steht ein gemeinsames Frühstück, mal Plättchenbacken auf dem Programm. Die Katholische Kirchengemeinde stellt das Winfriedheim samt Küche zur Verfügung, das regionale Netzwerk für arbeitssuchende Jugendliche, LaBuMoTa, finanziert die Lebensmittel. Karolina Podlech ist über das Projekt "Neuer Start" des Kolping Bildungswerks eingebunden, Elke Huneke durch das Dekanat.

Die Einladungen für die "Meet & Eat"-Treffen werden gezielt an die Schüler der Vabo-Klassen und an diejenigen, die im Anschluss daran Berufsfachschulen besuchen, gerichtet. Zudem sollen deutsche Jugendliche angesprochen werden, um den integrativen Charakter zu erhöhen. Björn Pfeilschifter, ehemaliger Firmand, ist der einzige männliche deutsche Jugendliche, der dem Aufruf gefolgt ist. Er sorgt für die Musik, stellt gemeinsam mit den anderen Stühle und richtet die Tische. "Mir macht das hier Spaß", sagt er. "Ich habe schon viele Kontakte geknüpft." Drei deutsche Mädchen sind auch dabei. Sie spielen vor der Tür des Winfriedheims mit ein paar Jungs Frisbee.

Schüsseln werden hereingetragen, es duftet nach gebratenem Fleisch. Owais (17) aus Syrien und Ali (18) aus dem Irak, die beide im Kachelbau leben, finden "Meet & Eat" super. "Das könnte es ruhig öfter geben", pflichtet ihnen Christophe bei. Er hat nicht so häufig die Gelegenheit, sich mit anderen zu treffen, weil er eine Ausbildung in Bad Rappenau absolviert. Für ihn beginnt der Tag deshalb um 4 Uhr morgens.

Mohammad (19) aus Syrien, der die einjährige Berufsfachschule besucht und Holzmechaniker werden will, schätzt es generell, andere Leute zu treffen. Er lebt gemeinsam mit seinem Bruder in einer Wohnung, schaut aber, dass er Kontakte knüpft. Deshalb geht er ins Jugendhaus, ins Multi-Kulti-Café und zu "Meet & Eat." Zwei Mal war er zusammen mit anderen im Haus Heimberg. "Die alten Leute haben sich sehr gefreut", sagt er, "sie waren sehr neugierig und haben viel gefragt. Auch über den Krieg. Denn die alten Leute wissen noch, was Krieg bedeutet."

Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 21.09.2016

   © 2002 by LaBuMoTa e.V. •  labumota@hotmail.com