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Jugendhaus "Future" in Osterburken

Jugendliche packen zahlreiche Projekte an


"Future" - Zukunft - steht in großen Graffiti-Lettern über dem Eingang des Jugendhauses Osterburken. Wer vor "Future" das kleine Wörtchen "no" vermisst, hat sich geschnitten, denn die Jugendlichen, die hier ein- und ausgehen, haben unter der Leitung von Diplom-Sozialpädagogin Gudrun Görsdorf tatsächlich eine Zukunft. Zumindest, wenn sie sich so weiterentwickeln, wie sie es in den letzten drei Jahren getan haben. Wo man vor drei Jahren noch ausschließlich auf Kinder und Jugendliche von Spätaussiedlern stieß, bietet sich heute ein gemischtes Bild: "Ur-Osterburkener" sitzen da auf dem Sofa und unterhalten sich mit Spätaussiedlern, kochen gemeinsam Spaghetti, werfen Pfeile auf die Dart-Scheibe oder besprechen die künftige Ausgestaltung des Skater-Platzes, bei der sie selbst Hand anlegen wollen. Wenn die Jungs den Mädchen einfach die Musik ausschalten, spricht die engagierte Leiterin des Jugendhauses, Diplom-Sozialpädagogin Gudrun Görsdorf, schon mal ein Machtwort. "Meistens reicht aber ein Blick", schmunzelt die engagierte Frau im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Sie hat in Osterburken einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Kluft zwischen Kindern von Spätaussiedlern und Einheimischen lange nicht mehr so groß ist wie am Anfang. Mit viel Liebe und Einsatz für ihre Arbeit hat sie es geschafft, dass sich die Jugendlichen aufeinander zu bewegen, anstatt nur übereinander herzuziehen. Das Jugendhaus Osterburken ist ein Beispiel dafür, dass Integration durchaus möglich ist, wenn die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Trotzdem kann Gudrun Görsdorf das so nicht stehen lassen. "An der guten Entwicklung hier haben viele ihren Anteil: die Jugendlichen und Lehrer, die mitziehen, ein Bürgermeister und ein Ortspolizist, die für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr haben und Eltern, die bereit sind, unsere Arbeit hier zu unterstützen", verdeutlicht die Berlinerin, die in Potsdam studiert hat. Nicht zu vergessen ihr Mann. Denn Gudrun Görsdorf ist nicht die Frau, die Punkt 21 Uhr das Jugendhaus abschließt, wenn sie merkt, dass eines "ihrer" Kinder was auf dem Herzen hat. "An manchen Tagen muss mein Mann einfach ins Jugendhaus kommen, wenn er mich sehen will", erklärt sie. Und natürlich ist er bei sämtlichen Unternehmungen des Jugendhauses mit von der Partie. Schließlich kommt man gern in ein Haus, wo man so freundlich aufgenommen wird. Keiner rennt einfach an Gudrun vorbei. Jeder Jugendliche kommt und gibt ihr die Hand. Bei der Ankunft ebenso wie beim Abflug. Die Jugendlichen wissen den Einsatz der Sozialpädagogin zu schätzen. "Gudrun hilft uns immer. Egal, ob sie gerade arbeitet oder frei hat", meint Stefanie Wolf aus Adelsheim. Sie findet es klasse, dass die Jugendlichen im "Future" zusammen sein können. "Wir verstehen uns einfach gut und haben hier Räume, in denen wir uns nach der Schule treffen können", so Stefanie. Das gefällt auch der 17-jährigen Denise Graaf aus Osterburken. Allerdings nutzt sie die Räume weniger zum Dart spielen, sondern viel mehr für ihre Tänze. Zusammen mit Viktoria Schmidt, Marina Schmidt und Valentina Schussupow probt sie für ihren nächsten Auftritt mit den "Future Girls". "Das macht Spaß und bringt Erfolg", so die 17-Jährige. Gudrun fährt die Mädchen zu verschiedenen Contests und zittert dabei meist mehr als ihre Schützlinge. Der nächste Wettbewerb findet am 17. Juni statt. Auch der 16-jährige Eduard Siemens ist Dauergast im "Future". "Wir können hier Referate und Plakate für die Schule machen. Da ist es kein Problem, wenn man zu Hause keinen Computer hat", macht er deutlich. Und eines steht für ihn sowieso fest: "Wenn man die Leute erst besser kennen lernt, über die man früher vielleicht gelästert hat, verschwinden die Vorurteile wie von selbst." Das sieht Paul Baier genauso. Zusammen mit zehn anderen Jugendlichen hat er sich erst vor kurzem bei der Aktion "Saubere Stadt" beteiligt. Es sei ihm wichtig, auch nach außen zu demonstrieren, dass heutige Jugendliche "nicht nur ans Saufen denken", so der 16-Jährige. Jetzt ist er schon wieder mit etwas anderem beschäftigt, denn gemeinsam mit anderen Jugendlichen hat er im Gemeinderat Vorschläge zur Gestaltung des Skater-Platzes gemacht. "Sie sind angekommen und wir dürfen das Ganze jetzt umsetzen", erklärt er stolz. Unterstützt von Gudrun Görsdorf natürlich, die zusammen mit Erzieherin Steffi Bethäuser aus Hainstadt im Hintergrund die Fäden in der Hand hält. Steffi arbeitet nur 20 Stunden im Jugendhaus. "Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nischt", verdeutlicht die Berlinerin die Tatsache, dass sie häufig mehr Unterstützung gebrauchen könnte. Und Steffi? Ihr macht die Arbeit Spaß, obwohl sie vorher kleine Kinder betreut hat. "Sie hat Verantwortung übernommen und ist mit ihrer Aufgabe gewachsen", unterstreicht Gudrun Görsdorf im Gespräch. Steffi ist selbst erst 23 Jahre alt und hat einen guten Draht zu den Jugendlichen. "Zunächst war ich etwas unsicher", gesteht sie. Inzwischen weiß sie, dass die Jugendlichen hinter ihr stehen. So sagt Gudrun Görsdorf: "Sie kommt mit eigenen Ideen und das kommt bei den Jugendlichen meistens gut an." Was bei den Jugendlichen auch sehr gut ankommt, ist das Schach spielen. So möchte die engagierte Sozialpädagogin einen bekannten Schachspieler nach Osterburken holen und in den Sommerferien einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Jugendhäusern in Osterburken veranstalten. Trotzdem geht es im Jugendhaus nicht nur um Spielen und Freizeit; es wird auch ernsthaft gearbeitet. Zum Beispiel beim Ausbildungsworkshop in Zusammenarbeit mit Rektor Müller von der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und Labumota. Da werden dann schon mal locker 260 Bewerbungen geschrieben und natürlich gemeinsam über diverse Absagen getrauert. Und immer, wenn einer eine Zusage bekommen hat, feiern die Jugendlichen ein kleines Freudenfest. Auch Suchtprävention und Theaterarbeit stehen bei Gudrun Görsdorf im Terminplan. Die Hinführung zum Theaterspielen übernahm Gudrun Grimpe von der Badischen Landesbühne. Gute Erfahrungen haben die Jugendlichen auch mit dem Ortspolizisten Metzger. "Er wird gegenüber Spätaussiedlern niemals abfällig und ist immer da, wenn wir ein Problem haben", so die engagierte Berlinerin. Im letzten Jahr veranstaltete er im Jugendhaus einen Abend, bei dem er - mit kabarettistischen Einlagen - die Probleme der Jugendlichen aus Sicht eines geplagten Polizisten darstellte. "Mit dieser Aktion", so Gudrun Görsdorf, "ist er für die Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes das, was er sein soll: ein Freund und Helfer." Daniela Käflein
Fränkische Nachrichten - 21.05.2005

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